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Andacht 2018 02 - Jesaja 43 Vers 2

Andacht von Pfarrerin Margret Noltensmeier (Februar - Ostern 2018)

Liebe Leserinnen und Leser,

neulich zeigte mir eine Bekannte ein paar Fotos aus dem Skiurlaub.
Wunderbare Berglandschaft, von glitzerndem Schnee bedeckt.
„Schau, auf diesem Bild ist ein Engel im Schnee“, sagte sie.
„Hmm….“, dachte ich. “Sehe ich nicht. Ich seh nur weiß, ein paar Menschen ganz im Hintergrund. Aber ein Engel im Schnee? Für mich nicht erkennbar, da kann ich das Bild drehen und wenden wie ich will.“
„Doch schau doch, da ist er.“
Sie kann noch so oft darauf zeigen, ich sehe da nichts.

Was soll ich nun antworten? Das ist Quatsch, auf dem Bild ist nur Schnee, da ist kein Engel?
Nein, ich denke, so geht die Antwort nicht.
Nur weil ich den Engel nicht sehe, heißt es nicht, dass da keiner ist.

Aber vielleicht sollte ich mit etwas Alltäglicherem beginnen.
Ganz normale Gespräche in der Familie oder dem Freundeskreis.
Der eine behauptet dies, die andere das.
Und schon geht es ganz schnell darum, wer Recht hat.
Keiner hat Recht und keine.
Wie die Dinge wirklich sind, weiß keiner.
Es ist alles eine Frage meiner eigenen Perspektive.
Natürlich darf ich die Dinge so sehen, wie ich möchte.
Unbedingt!
Aber ich darf nicht von meiner Frau, meinem Bruder oder meiner Mutter verlangen, dass sie für sie ganz genauso so sind wie für mich.
Das wird niemals so sein.
Und wenn alles auch ganz ähnlich oder sogar gleich scheint, es wird immer irgendeinen Unterschied geben.

Schwierig wird es ja, wenn wir vollkommen auseinander liegen mit unseren Meinungen.
Dann kommt es oft zu Streit.
Wann sieht er, sieht sie das endlich ein?
Warum sollte er, sollte sie etwas einsehen?
Und dann noch dazu etwas, was ich mir in den Kopf gesetzt habe?
Warum sollte ausgerechnet bei mir „die Wahrheit“ sein?

Vor einiger Zeit war der Ausdruck „Isso“ für „so ist es (und nicht anders)“ sehr aktuell, meiner Wahrnehmung nach wird mittlerweile wieder weniger von ihm Gebrauch gemacht.
Zum Glück, finde ich.
Denn „isso“ gibt es nicht, nichts ist so.
Nichts ist so, wie ich es denke oder für richtig halte.
Denn: Es könnte auch alles ganz anders sein.
Es könnte auch alles ganz anders sein… Ist das nicht eine wunderbare Erkenntnis?
Lockt das nicht, auf Entdeckungsreise zu gehen?
Kann ich nicht ganz spannende Dinge entdecken, wenn ich nicht meine, alles schon zu wissen und zu kennen, was mein Gegenüber mir erzählt?
Öffnet sich mir nicht die Welt, wenn ich neugierig bleibe und in der Haltung durchs Leben gehe, dass es selbst beim vermeintlich Altbekannten noch ganz viel Neues zu erforschen gibt?

Beim Propheten Jesaja heißt es: Wenn du durchs Wasser gehst, will ich bei dir sein, dass dich die Ströme nicht ersäufen sollen.
Und wenn du ins Feuer gehst, sollst du nicht brennen, und die Flamme soll dich nicht versengen (Jesaja 43,Vers 2).
Da könnte ich nun sagen: Absoluter Quatsch!
Jeder weiß, dass man in der Strömung ertrinken kann und im Feuer verbrennt.
Diese Vorsicht vor Feuer und Wasser versuchen wir doch, unseren Kindern als erstes nahe zu bringen.
Doch hier hält plötzlich jemand gegen jede menschliche Erfahrung dagegen:
Wenn du durchs Wasser gehst, will ich bei dir sein und wenn du ins Feuer gehst, sollst du nicht brennen.
Was mag der, der das sagt, damit meinen?
Ich sage nur: Wie gut, dass es noch mehr gibt, als das, was ich für richtig halte!
Wie gut, dass es etwas gibt, was über das hinausgeht, was ich mit meinen begrenzten Fähigkeiten erfassen kann!

In diesem Sinne grüße ich Sie alle und wünsche Ihnen gesegnete Monate Februar und März!
Herzlichst Ihre Pfarrerin Margret Noltensmeier