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Andacht 2018 04 - Unterwegssein

Andacht von Pfarrerin Margret Noltensmeier (April - Mai 2018)

Liebe Leserinnen und Leser,

im Chorraum unserer Kirche hängt das Bild der Emmausjünger, das viele von Ihnen sicherlich kennen.
Es zeigt drei Männer, die unterwegs sind, einen Weg gehen.
Ich glaube, dass es dieses „Unterwegssein“ ist, das vielen Menschen dieses Bild so wertvoll macht.

Vielleicht ist deshalb auch das Wort „unterwegs“ seit einiger Zeit zu einem sehr häufigen und beliebten Wort unserer Sprache geworden.
„Wie bist du denn unterwegs?“ höre ich manchmal besonders jüngere Menschen fragen.
Oder ich sage selbst: „Das zeigt schon, wie er oder sie unterwegs ist:“
Es wird dabei aber gar nicht mehr unbedingt an die Fortbewegung, das Gehen oder Fahren gedacht, sondern eher ist dabei im Sinn, was ein Mensch in einem bestimmten Zeitraum oder in seinem Leben „so macht“, was er denkt, was er für Pläne hat, wie er „unterwegs“ ist.
Das Leben als Weg – auch wenn ich mich gar nicht fortbewege, sondern für längere Zeit am selben Ort bleibe.

Unterwegs sein: Wie auf dem Bild im Chorraum, sind wir oft nicht allein unterwegs, sondern wir haben Weggefährtinnen und Weggefährten.
Manche Menschen begleiten mich ein Leben lang, in Jahren oft noch länger als die Mitglieder der Kernfamilie: ein alter Freund aus Kindergarten- oder Grundschulzeiten, ein Nachbar oder eine Nachbarin von früher, der Bruder oder die Schwester.
Andere sind Lebensabschnittsgefährten: Ich bin eng mit ihnen verbunden in einem bestimmten Lebensabschnitt, in der Ausbildung, der Phase der Kindererziehung oder während einer Reise.
Aber egal, ob kurz oder lang: Allen gemeinsam ist, dass sie mitgehen, dass wir miteinander gehen.
Oft hat dieses gemeinsame Unterwegssein etwas ganz Leichtes: Wir unternehmen Dinge gemeinsam, lachen, essen, trinken und feiern miteinander.

Dann wiederum kann es schwieriger werden, je nachdem, wie es mir oder denen, die bei mir sind, geht.
Manchmal gehen wir miteinander durch Tiefen und Krisen des Lebens.
Dann tun unterschiedliche Dinge gut: Ich kann den anderen oder die andere bekochen, kann Fahrdienste übernehmen, oder ich höre einfach nur zu oder versuche, ihn oder sie zu bestärken und zu ermutigen.
Ich halte das, was er oder sie durchmacht, mit aus.
Egal, was ich mache: Hauptsache, ich bin da.

Es sind besonders die Zeiten der Krise, in denen wir Menschen nach Gott fragen.
Und oft genug sagen wir: Wo bist du eigentlich Gott?
Du scheinst kein Weggefährte zu sein!
Wieso muss ich das jetzt erleben, warum hilfst du mir nicht?
Warum machst du nicht, dass es mir besser geht, warum muss ich dies erleben?

„Gott ist kein Antwortgewinn“ sagt der Theologe Otmar Fuchs.
Es gibt nicht die Erklärung, die endgültige Antwort auf diese Fragen, mit der man diese ein für alle Mal „abhaken“, ihnen ein Ende machen könnte.
Aber auch wenn das nicht so ist, denke ich, dass Gott trotzdem eine Antwort gibt, dass er etwas zu unseren Fragen sagt.
Seine Antwort ist: „Ich war in all diesen Zeiten bei euch.
In den Zeiten eures Leidens, eurer Krise, in den Zeiten, in denen es euch schlecht ging.
Ich war in all diesen Zeiten bei euch, mit euch unterwegs.
Und ich werde es weiterhin sein.“

Ich wünsche Ihnen eine Osterzeit und ein fröhliches Pfingstfest.
Herzlichst Ihre Pfarrerin Margret Noltensmeier