Andacht 2018 06 - Matthäus 6 Vers 31

Andacht von Pfarrerin Margret Noltensmeier (Juni - Juli 2018)
Darum sollt Ihr nicht sorgen… (Matthäus 6, 31 a.c)

Liebe Leserinnen und Leser,

das ist einer meiner Lieblingsabschnitte in der Bibel: Der Aufruf Jesu, dass wir uns keine Sorgen machen sollen.

Ich lasse mich einfach – wenn ich mich selbst sorgenschwer erlebe - in diese Worte hineinfallen und denke: Gott weiß, was ich brauche und wird für mich sorgen.

In seiner Rede über die Sorgen wird Jesus aber an manchen Stellen konkreter: Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: …Womit sollen wir uns kleiden?
Ich denke, dass die Kleidung hier - genauso wie der Hinweis auf Essen und Trinken kurz zuvor - stellvertretend für das Lebensnotwendige steht.

Und ich mache ja auch die Erfahrung, dass ich – anders als Menschen in anderen Gegenden dieser Welt - tatsächlich das, was ich zum Leben brauche, oft sogar im Überfluss habe: Essen, Trinken, Kleidung.
Ich muss mir darum keine Sorgen machen.

Trotzdem – und das geht jetzt gewiss von der Zielrichtung, die Jesus dabeihat, ein bisschen weg - bin ich der Meinung, dass wir Sorge dafür tragen sollten, wie wir uns kleiden.
Ich kann mich nicht jeden Tag gleich kleiden, sondern muss darüber nachdenken, ob meine Kleidung zu dem jeweiligen Anlass passt.
Manchmal gibt der berufliche Zusammenhang sowieso einen bestimmten Dresscode vor.

Die Umgebung bestimmt doch oft die Art, wie ich mich kleiden soll.
Ich schäme bzw. fremdschäme mich zum Beispiel, wenn westliche Touristen in Ländern, in denen es üblich ist, den Körper zu bedecken, in Hot Pants und Spaghettitops herumlaufen.
Das ist respektlos gegenüber dem Gastland.

Was ich sehr schade finde, ist das in unserer Gesellschaft – so scheint es mir jedenfalls – der Unterschied zwischen dem Alltagsoutfit und der Kleidung für besondere Anlässe zunehmend verwischt.
Im Theater, in der Oper oder im Musical fällt mir oft auch, dass Menschen sich dafür nicht mehr extra „in Schale werfen“.
Sicherlich, das vereinfacht die ganze Sache oft.
Da viele Menschen sehr viel zu tun haben, bedeutet es weniger Stress, wenn ich gleich aus meinem Alltag nahtlos zum besonderen Kulturprogramm übergehen kann.
Trotzdem geht dadurch meines Erachtens etwas verloren: dass der Anlass wirklich etwas Herausgehobenes, nicht Alltägliches ist, dem ich durch meine Kleidung Ausdruck verleihe.

In ähnlicher Weise verändern sich die Gebräuche bei Beerdigungen und Trauerfeiern.
Manchmal schreiben Angehörige in die Traueranzeige: „Auf Wunsch von ….bitten wir, von Trauerkleidung abzusehen“.
Diesem Wunsch eines Verstorbenen ist meiner Meinung nach selbstverständlich entgegenzukommen.
Darüber hinaus gibt es – so erlebe ich es hin und wieder – aber auch Sterbefälle, zu denen keine schwarze Kleidung passt.
Das mag begründet liegen im Wesen des Verstorbenen, in der Art, wie er oder sie gestorben ist und vielem mehr.
Und sicherlich ist das, was ich dann anziehe, auch mit viel Überlegung und Nachdenken ausgewählt.

Aber abgesehen davon und im Zweifelsfall kann ich trotzdem dem „Schwarz“ sehr viel abgewinnen.
Auch wenn ich nicht selbst betroffen bin, so drücke ich durch meine Kleidung meinen Beistand und meine Solidarität mit denen aus, die einen Menschen verloren haben und für die dies auf einen tiefen Einschnitt in ihrem Leben hinweist.
Ich fände es schade, wenn gar nicht mehr sichtbar würde, dass der Tod etwas Besonderes ist in unserem Leben.
Und wenn es mich trifft, dann könnte ich mir vorstellen, dass – wenn ich es äußerlich markiere - es mir hilft, es innerlich zu verarbeiten.

Darum sollt Ihr nicht sorgen und sagen: … Womit sollen wir uns kleiden? 
Wenn uns nun schon die Sorge um das „Dass“ der Kleidung abgenommen ist, so ist es vielleicht umso wichtiger, Sorgfalt auf das „Wie“ zu verwenden.

Ich grüße Sie herzlich, Pfarrerin Margret Noltensmeier