Andacht 2019 06 - Kommt her zu mir alle

Andacht von Pfarrerin Margret Noltensmeier (Juni 2019 – Juli 2019)
Jesus sagt: Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken.

Liebe Gemeinde,  

eine Einladung zu bekommen ist meistens etwas sehr Schönes, finde ich.
Ich freue mich, wenn jemand an mich denkt und mich gerne bei seiner Feier dabeihaben möchte.
Vielleicht haben Sie es ähnlich wieder erlebt in diesem Sommer, dass die eine oder andere Einladung zu einer Hochzeit oder einem Jubiläum mehr oder weniger überraschend ins Haus geflattert kam.

Umso schmerzlicher oft ist der andere Fall: Wenn ich weiß, dass jemand etwas zu feiern hat und alle sind geladen außer mir selbst.
Das ist schon ein merkwürdiges Gefühl, das viele Menschen mindestens einmal in ihrem Leben so kennen lernen.
Bedeute ich ihm, ihr nichts mehr?
Warum will man gerade auf meine Anwesenheit verzichten?
Bin ich nicht gut genug?  

In anderen Fällen kann eine Einladung aber auch belastend sein: Ach je, mir ist gar nicht zum Feiern zumute und auf einem Fest, da muss ich doch fröhlich sein, sonst verderbe ich den Gastgebenden und Feiernden die Stimmung.
Manchmal fällt es schwer, an einem Fest teilzunehmen.

Davon erzählt auch die Bibel.
Gott wird in der Bibel oftmals in der Gastgeberrolle gesehen.
Er wird als derjenige beschrieben, der einlädt: zum Festmahl, zur Hochzeit.
Und wir lesen, dass die Menschen seiner Einladung hin und wieder nicht nachkommen: Sie haben andere Dinge zu tun.

Gott ist ja auch heute noch Gastgeber.
Er lädt uns ein, in seine Nähe zu kommen, bei ihm zu  bleiben, seinen Worten zu folgen ein Leben lang.

„Wieso machen Sie sich eigentlich so viel Mühe mit den Konfirmanden und Konfirmandinnen, die sind danach doch sowieso weg.“ sagte mir vorhin jemand.
Das hat mich im ersten Moment etwas erschüttert.  
Sie sind dann ja sowieso weg… das höre ich ja immer wieder und würde das niemals bestreiten.
Konfis gehen nach der Konfirmation nicht mehr so regelmäßig in den Gottesdienst wie davor.
Oftmals passiert das erst lange Zeit danach und manchmal sehr lange Zeit danach wieder.
Obwohl ich persönlich davon überzeugt bin, dass Gottesdienste Kraft geben, Stärkung, Verzweiflung lindern, Freude vergrößern, neue Perspektiven eröffnen und vor allem die Nähe Gottes ermöglichen, erlebt nicht jeder Mensch und schon gar nicht jeder Jugendliche dies in unseren traditionellen Gottesdiensten so.

Unsere Gottesdienste sind eine unter anderen Möglichkeiten, Gott nahe zu sein.
Als Gemeinde haben wir die Aufgabe, sie so attraktiv zu gestalten, dass sich Menschen aller Alltagsgruppen mehr und mehr zu ihnen hingezogen fühlen.
Das ist eine große Aufgabe für die Zukunft.
„Was machen Sie sich so viel Mühe mit den Konfirmanden, die kommen doch eh nicht mehr.“
Die Gottesdienste sind das Eine…
Mein primäres Anliegen ist es, dass Jugendliche Gott als jemanden kennenlernen, der sie einlädt und zu ihnen sagt:
Kommt her.
Zu mir könnt Ihr immer kommen.
Ihr seid bei mir willkommen mit allem, was Euch gerade so beschäftigt.
Ich kann verstehen, trösten, ermutigen, verzeihen und vieles mehr.
Und vor allem: Ich nehme und akzeptiere jeden und jede so, wie er, sie ist.

Dass Jugendliche das lernen und verstehen, das ist mir jede Mühe wert.

Ihnen allen wünsche ich in diesem vor uns liegenden Sommer die Erfahrung, dass Gott uns gerade dann „besonders herzlich“ einlädt, wenn wir mühselig und beladen sind.

In diesem Sinne erfüllte und gute Sommermonate,
Ihre Pfarrerin Margret Noltensmeier