Andacht 2020 04 - Matthäus 28 Vers 20

Andacht von Pfarrerin Margret Noltensmeier (April 2020 – Mai 2020)
Jesus Christus spricht: Siehe, ich bin bei Euch alle Tage bis an das Ende der Welt (Matthäus 28, 20)

Liebe Leser*innen,

was sind das für Zeiten!

Während ich hier sitze und schreibe, sind die Schulen und Kitas längst geschlossen, unsere Gottesdienste dürfen nicht mehr stattfinden und Trauerfeiern sind unter freiem Himmel zu gestalten mit einer beschränkten Anzahl von Teilnehmenden.
Bars, Kinos, Schwimmbäder, Fitnessstudios und Spielplätze sind geschlossen, in der EU gibt es wieder Binnengrenzen und soziale Kontakte sind zu vermeiden.

Noch vor weniger als einer Woche war ich umgetrieben von der Frage, ob ich mit meinen Konfirmand*innen nach Berlin fahren kann, ein Entscheidungsfindungsprozess, der sich mir jetzt im Nachhinein als völlig absurd darstellt.

Und auch wenn Sie diesen Brief in den Händen halten – und hoffen wir, dass er noch zu Ihnen kommen kann – werden Sie sich vielleicht wundern, welche Themen ich in dieser Andacht - noch - erwähne.
Denn dann wird schon wieder alles anders sein.

Ein unsichtbares Virus stellt die Welt auf den Kopf.

Als in den vergangenen Tagen fast stündlich immer neue Handlungsanweisungen und auch Verbote sowohl für unser gemeindliches Leben als auch insgesamt für Deutschland, Europa und die gesamte Welt „ins Haus flatterten“, hatte das schon irgendwie apokalyptische Züge:
So könnte man sich den Anfang vom Ende der Welt vorstellen…
Zumindest ist die Welt, so wie sie einmal gewesen ist, nicht mehr da und was sein wird, wenn alles überstanden ist, bleibt unklar.

Ich möchte hier nicht unbekümmert davon schreiben, dass diese Krise wie jede Krise etwas Gutes hat und dass es einen Gewinn aus dieser Situation geben wird.
Natürlich sehe ich schon manches Gute, aber wenn ich an die wirtschaftlichen Nöte denke, in die manche Menschen schon jetzt getrieben werden, oder auch daran, dass wir überhaupt nicht wissen, ob wir mit unseren Lieben wirklich gesund bleiben, dann halte ich mich damit zurück.

Was ich aber in dieser Krise deutlich spüre, ist, dass das Wort Jesu aus dem Matthäusevangelium auf einmal klar zu sprechen beginnt: Siehe ich bin bei Euch alle Tage bis an das Ende der Welt.

Wenn die Welt Kopf steht, wenn unsere bisherige Welt an ihr (bisheriges?) Ende gekommen ist, zieht sich Gott nicht zurück.
Er verspricht uns in Jesus, bei uns zu bleiben.

Ja, und ich könnte mir vorstellen, dass Sie das ähnlich wahrnehmen: Jeder Tag ist doch jetzt anders.
Trotz der Einschränkungen und der Reduktion auf Weniges empfinden viele unter uns das wohl so.
Denn das Leben findet doch in der Haltung des Abwartens statt: Morgen wird alles schon wieder anders sein als heute.

In dieser Situation merke ich, wie ich Jesu Zuspruch brauche und so langsam auch wahrnehmen und verstehen kann: Alle Tage, sagt er.
Alle Tage ist er bei uns.
Wie wunderbar ist das!
Auch wenn ich nicht weiß, was morgen ist, eines weiß ich: Jesus Christus ist auch morgen bei uns und wird bei uns bleiben.
Bis an das Ende der Welt.

Lassen Sie uns in diesen Zeiten den ungeheuren Trost, der in diesem Zuspruch liegt, nicht vergessen.  

Ich grüße Sie in Verbundenheit.
Bleiben Sie behütet, herzlichst Ihre Pfarrerin Margret Noltensmeier