Andacht 2020 04 - Konfi-Andacht auf Youtube

Youtube Andacht am Sonntag, den 26. April 2020

Herzlich willkommen zu dieser Andacht sage ich allen, die heute mit uns verbunden sind.

Ganz besonders begrüße ich Euch, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden und auch Eure Eltern.
Heute am 26. April wäre die erste Gruppe von Euch konfirmiert worden und am nächsten Sonntag, den 3. Mai, die zweite.
Keine der beiden Konfirmationen findet zu diesen geplanten Terminen statt, sondern - so hoffen wir jedenfalls – im September.
Obwohl wir schon vor einigen Wochen Eure Konfirmationen abgesagt haben, ist ja trotzdem die Vorstellung, dass es heute gewesen wäre und am nächsten Sonntag, noch präsent.
Daher möchten wir diesen Tag nicht einfach so vorüber gehen lassen.
Zunächst einmal denken wir in dieser Andacht – in der Musik – und mit Worten an Euch.
Und ich muss sagen, ich freu mich, dass es diesen Moment gibt, in dem ich ganz bewusst an Euch denken kann, und mir Euch vorstelle und Euch vor meinem inneren Auge gewissermaßen sehe.
So feiern wir miteinander im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen  

Liebe Konfis mit Euren Eltern und allen, die jetzt mit uns verbunden sind. 
Im 32. Psalm gibt es einen Vers, den Vers 8, in dem Gott sagt:
Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du gehen sollst.
Ich will dich mit meinen Augen leiten.
Ich will dich unterweisen… unterweisen, das sagt heute niemand mehr, aber es bedeutet so viel wie „unterrichten“.
Früher… Eure Eltern wissen das nicht mehr, aber Eure Großeltern wahrscheinlich noch: da hieß der evangelische Religionsunterricht „Evangelische Unterweisung“.
Also unterweisen… bedeutet etwas Ähnliches wie unterrichten.
Unser Unterricht, unser Konfiunterricht wurde ja im März abrupt beendet, seitdem haben wir uns nicht mehr gesehen.
Und ebenso gibt es seit sechs Wochen jetzt für Euch keinen Unterricht mehr in der Schule, sehr unterschiedlich ist bei Euch wahrscheinlich, ob und wieweit ihr im Moment auch online unterrichtet werdet.

Gott sagt in unserem Psalm von sich, dass er jemand ist, der unterrichtet, also in der Coronakrise, wo der Unterricht für viele Schüler*innen und auch Erwachsene stark reduziert oder gen Null gefahren ist, ist es spannend zu hören, welchen Unterricht Gott anbietet, was für eine Art von Unterricht Gott macht.
Wir erschließen uns das langsam und schauen zuerst auf das Wort, das ganz eng zusammen mit dem Verb unterweisen, unterrichten steht.
Da sagt Gott: Ich will dir den Weg zeigen, den Du gehen sollst.
Ich will dir den Weg zeigen, den du gehen sollst. Es ist ja wirklich so, dass in diesen Zeiten von Corona die biblischen Worte auch ganz anders sprechen, dass ich, dass wir sie anders hören als sonst.

Der Weg, den du gehen sollst. Im Moment gibt es ja viele Wege, die wir nicht gehen sollen.
Den Weg zur Schule dürft Ihr nicht nicht wieder gehen, aber auch sonst viele Wege.
Ihr seid ja sehr aktiv auch in Euren Freizeitaktivitäten.
Der Weg führt nachmittags nicht zum Fußballtraining, in die Reithalle, zum Geigenunterricht oder zum Klavierunterricht, er sollte auch nicht zum Chillen oder zum Zocken beim besten Freund oder der besten  Freundin führen, und oft auch nicht zu den Großeltern.
Wege, die wir nicht gehen sollen, kennen wir zu Genüge im Moment.
Und die Wege, die noch übrigbleiben, die wir gehen sollen, kennen wir auch.

Ich will dir den Weg zeigen, den du gehen sollst… wie hört sich das an, nicht nur in diesen Zeiten, sondern auch wenn die Welt mal wieder frei ist von dieser Pandemie und Ihr Euch wieder so bewegen könnt, wie Ihr wollt.
Wie ist das… will ich, wollen wir einen Weg haben, den wir gehen sollen oder will ich mir meinen Weg nicht lieber selber suchen.

Heute und in einer Woche hättet Ihr Konfirmation gehabt und bei einer Konfirmation, da taucht ja auch immer schon ein bisschen Erwachsenwerden am Horizont auf… lange dauert es nicht mehr, dann seid Ihr erwachsen und das heißt: ich kann selbst entscheiden, was ich machen will, ich probiere meinen eigenen Weg aus.
Da brauche und will ich doch niemanden, der mir dann noch sagt: diesen Weg sollst du gehen.
Der Weg, den du gehen sollst: … ich möchte Eure Aufmerksamkeit noch einmal lenken auf dieses „sollst“.
Kommt Euch das irgendwie noch bekannt vor? Ich weiß, es ist lange her, schon fast ein Jahr, seit wir uns damit beschäftigt haben.
Aber könnt Ihr Euch an Sätze erinnern in denen immer dieses „Du sollst, du sollst nicht“ vorkommt? Na klar könnt Ihr Euch erinnern…
Es sind die 10 Gebote, die immer damit beginnen, mit du sollst oder du sollst nicht.
Ihr könnt vielleicht heute mal probieren, ob Ihr alle zehn noch zusammenbekommt.
Du sollst oder du sollst nicht… steht da am Anfang.
Es steht da nicht du musst!
Oder du darfst nicht.
Nein es heißt du sollst und du sollst nicht, sogar bei den Geboten, bei denen wir uns sogar ein du darfst nicht wünschen würden: "Du sollst nicht töten."

Gott gibt bestimmte Regeln, die aber nicht überwacht werden.
Da ist keine Kontrolle, auch nicht ab und zu Kontrolle, so wie jetzt an manchen Stellen kontrolliert wird, ob mehr als zwei Leute zusammen sind.
Sondern Gott sagt: "Ich gebe Euch diese Gebote nicht, um euch in eurer Freiheit einzuschränken, nicht um euch zu kontrollieren. Sondern ich gebe sie euch, damit es euch gut geht. Wenn du sie befolgst, dann wird es einmal dir selbst gut gehen und den Menschen, die mit dir zusammenleben."
Du sollst heißt also: es soll dir gut gehen.
Es soll dir gut gehen. Wenn Sie als Eltern darüber nachdenken, dann ist das doch der größte und einzige Wunsch, den man für ein Kind haben kann: Egal was kommt, Hauptsache, es geht dir gut, mein Kind.
Ein Wunsch, der einem als Eltern gerade bei der Konfirmation des Kindes ganz nahekommt und der ja auch schon die Erfahrung hat, wie sehr man als Eltern leidet, wenn es dem Kind nicht gut geht.

Ich will dir den Weg zeigen, den du gehen sollst, heißt: Ich will dir einen Weg zeigen, auf dem es dir gut geht.
Wie will Gott uns, und vor allem Euch den Konfis diesen Weg zeigen? Er will uns unterweisen, unterrichten, sagt er.
Es ist ja kein Unterricht im Stuhlkreis oder in der Gruppenarbeit oder auch nicht wie in der Schule, wo Euer Unterrichtsstoff durch Klausuren oder Klassenarbeiten gefestigt wird.
Gottes Unterricht ist anders: ich will dich mit meinen Augen leiten, sagt Gott.
Mit meinen Augen leiten, das gefällt mir gut und ich stell mir vor, wie das sein kann.
Ich werde nicht geleitet durch Absperrungen, Absperrbänder, auch nicht mit der Hand, in dem ich irgendwo hingeschoben oder gedrängt werde, sondern mit den Augen.
Was mache ich mit den Augen? Ich sehe … jemanden an, lasse ihn oder sie  nicht aus den Augen, er oder sie ist mir wichtig …
Wenn wir jetzt Konfi hätten, würde ich Euch bitten in Gruppen zu gehen und so eine Mindmap zu machen und zu überlegen, wozu sind die Augen wichtig, was geschieht mit den Augen?

Ich will dich mit meinen Augen leiten… für heute ist mir das Wichtigste, dass Gott zu Euch sagt liebe Konfis: Ich lasse euch nicht aus den Augen.
Das sagt er zu uns allen.
Bis wir uns wiedersehen, und in diesen Corona-Zeiten, sagt man ja immer: Bleibt gesund.
Das wünsch ich euch natürlich auch, aber ich würde es auch gerne ein bisschen umformen und sagen:
Bleibt behütet, das heißt: Vertraut darauf, dass Gott euch nicht aus den Augen lässt, dass er euch nicht ignoriert und dass er will, dass es euch gut geht.

Amen