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Andacht 2020 06 - Rabinadath Tagore

Ich sprach zu dem Baum:
Sprich zu mir von Gott.
Und er blühte.
(Rabinadath Tagore)

Liebe Leserinnen und Leser,

dieses Wort von Tagore hat mich in der letzten Zeit sehr bewegt.
Gerade jetzt, da es durch den Lockdown an manchem schönen Frühlingsabend die Gelegenheit gab, in die Natur zu gehen und all die herrliche Blütenpracht zu bestaunen, kann ich dem Dichter aus ganzem Herzen beipflichten.
Dieser Überschwang der Natur, der Blütenschaum und die Fülle der Farben… das ist für mich wie eine Botschaft Gottes, eine Weise, wie er durch die Schönheit der Schöpfung zu uns spricht.

Die Aufforderung Tagores an den Baum ist ja, von Gott zu reden.
Der Baum folgt dieser Aufforderung sofort, indem er sich ein Blütenkleid zulegt.
Diese Unmittelbarkeit der Antwort, aber auch das Überraschende dabei, das beeindruckt mich sehr an diesem Wort.
Der Baum muss nicht um eine Antwort ringen, er muss nicht erst bestimmte Positionen abwägen, sondern die Antwort kommt unmittelbar und spontan.
Und sie ist eine Antwort, die vom Leben, von der Schönheit und von der Kraft der Verwandlung erzählt.

Ich glaube, dass wir Menschen dem Baum sehr ähnlich sein können.
Im übertragenen Sinne fangen wir wahrscheinlich auch an zu blühen, wenn wir versuchen, uns auf die göttliche Kraft in uns zu besinnen und im Vertrauen auf sie zu leben.
In diesen schwierigen Zeiten der Corona-Pandemie setzen sich viele Menschen mehr als je für diejenigen ein, die ihre Hilfe brauchen.
Wieviel Kreativität habe viele Menschen entwickelt, wieviel Phantasie und wieviel Einsatzbereitschaft, um in diesen Zeiten zusammen zu stehen und auch diejenigen zu unterstützen.
Manche Menschen sind - so habe ich es erlebt – gerade in diesen Zeiten im wahrsten Sinne des Wortes erblüht und haben Kräfte entwickelt und mobilisiert, von denen sie sicherlich zuvor gar nicht wussten, dass sie diese haben.
Kreativität… das sind die schöpferischen Kräfte in uns, von denen viele von uns sagen können, dass es unser göttlicher Ursprung ist, der sie zum Blühen bringt.

Ich wünsche Ihnen allen, dass Sie weiterhin gut und verschont vom Virus durch diese Zeit hindurchkommen und freue mich auf jedes Wiedersehen.

Herzlichst Ihre Pfarrerin Margret Noltensmeier