Andacht 2020 08 - Psalm 36 Vers 7b

Herr, du hilfst Menschen und Tieren (Psalm 36, Vers 7b)

Liebe Leser*innen,

am Sonntag, nachdem es im Rhedaer Großschlachtbetrieb Tönnies zu dem Massenausbruch an Covid 19-Neuinfektionen gekommen war, haben wir dieses Psalmwort im Gottesdienst gelesen.
Es war für den betreffenden Sonntag vorgesehen.

Ich hatte den Eindruck, dass dieses Wort wirklich gut zu der aktuellen Situation passte.

Natürlich, und so sieht es auch jetzt noch mehr als eine Woche später aus: Erstmal scheint natürlich wirklich niemandem so richtig geholfen mit diesem Skandal.

In den Kreisen Gütersloh und Warendorf wurden sofort wieder alle Schulen geschlossen und mittlerweile gibt es einen Lockdown.
Urlauber*innen aus den betroffenen Kreisen dürfen zum Teil nicht in andere Gebiete reisen oder werden gar wieder vom Urlaubsort verwiesen.
Ein Riesenskandal, nachdem sich die Zahlen der Infizierten in den vergangenen Wochen so schön stetig nach unten bewegt hatten.

Erstmal scheint niemandem geholfen. Aber dann doch.
Der Skandal bringt endlich die unhaltbaren Zustände in der fleischverarbeitenden Industrie ganz deutlich ans Licht.
Es wird sich jetzt etwas verändern, für die Arbeiter*innen aus Bulgarien und Rumänien mit ihren prekären Arbeitsverträgen und den unwürdigen Unterkünften.
Und wenn sich in dieser Hinsicht etwas ändert, wird sich das hoffentlich auswirken auf die Art der Fleischproduktion und somit auf die Tiere.

Menschen und Tiere gehören zusammen, lese ich aus dem Psalm und ich finde gut, dass die Bibel das auch so sieht.
Natürlich geht es nicht darum, Tiere zu vermenschlichen und sie als ‚Liebesersatz‘ zu missbrauchen.
Ebenso ist es himmelschreiend, wenn Menschen – und da sagen wir manchmal ‚wie Tiere‘ – in unwürdigen Verhältnissen leben.
Es gibt Unterschiede zwischen beiden und trotzdem können die einen nicht ohne die anderen.
Sie gehören zusammen und sie hängen zusammen.

Gott, du hilfst Menschen und Tieren: die Tiere scheinen einen unmittelbaren Vorteil aus der Krise zu ziehen: Delphine tauchen plötzlich da auf, wo früher Kreuzfahrtriesen angelegt haben.
Vögel genießen ihre Freiheit, ohne durch die großen, von Menschen gemachten ‚Vögel‘ gestört zu werden.
Sicherlich werden auch Sie in diesem Frühjahr und Sommer vieles beobachtet haben in der Tierwelt, was anders war, ‘besser‘ als in den Jahren zuvor.
Menschen und Tieren: Wo ist die Hilfe für uns Menschen?
Zunächst scheint es sehr sehr schwer zu werden und wir werden noch lange an den Folgen dieser Krise zu tragen haben.
Trotzdem vertraue ich darauf, dass Gott uns Menschen helfen wird, langfristig, denn er hilft Menschen und Tieren.

Ich wünsche Ihnen einen guten Sommer, in dem Sie immer wieder erkennen können, dass Gott seine ganze Schöpfung im Blick hat.

Herzlichst Ihre Pfarrerin Margret Noltensmeier